lyrische zwischenräume

Von hier gibt es keine Bilder

während sich allmählich
der morgen entblättert,
silberweiße wolken ihre
lasten über den besoffenen
himmel schmuggeln, die
arschlöcher dieser stadt
ihr dunkles raunen in das
aufgehende licht speien
& in unseren schlaftrunkenen
augen der letzte glanz versinkt:

was wäre aus uns geworden
(frage ich)
wenn es keine musik gäbe?

viel zu früh schon

wie höhlenmaler haben wir
unsere körper von innen verziert
den glanz der haut im mittelschwarz
vertriebener schatten gefunden

doch viel zu früh schon
erhebt sich der morgen
und dein speichel
der sich nachts immer
wieder frisch verliebt
bleibt schief angespartes
in unseren mundwinkeln

weltverloren

nun steht
die illusion
von leben
entrückt
im raum

als hätte sich die
unachtsamkeit aus
der nische geschält
und das puder vom
kostüm geklopft

in luftscheuen falten verfangen

siehst du, wie die bäume allmählich ihren sommer verlieren? unsere stadt ist milch, ist honig. die sonne schwimmt und du hörst: ein krächzen. es hängt da – als laubloses verwirbeln.

ich sehe dich. wie du da sitzt: ein heimwenden, ein vogelfliehen. hingegossen vom wind. und deine langen haare, die über deine schultern wasserfallen.

das brausen in den ohren, das pochen in der lücke. gegen blau hilft kein schlaf. du weißt: hier ist kein tag. nur ein oktober, ein einsames zwillingskind – ohne post von gestern.

der herbst hat’s gefressen. schau dich um: anstand verwirrt, die straßenfäden bündeln sich. und die schatten klauben den lärm mit rostroten händen.

letzte blumen, im rücken ein stechen. die haltung: ein unbekannter ort. hier ist stein nicht stein. alles zerbricht, glas zerfällt. du nickst – und die erntekrätze liebkost die trümmer.

wie du verschwindest. ich kann es sehen. auflösung bis hin zum rockzipfel. du fällst in dein nicken, dein herz verpumpt sich. ein einsamer schluckauf – ohne rascheln, ohne finale rettungsskizze. kein klirren als das nichts aufschlägt. kein leerer hut, der zu boden fällt. nur eine unsichtbare lippenbewegung und ein kleiner riss im licht. ein leichtes husten, dann hat die luft dich verschluckt.

beat ohne melonen

goldener nebel vertanzt die träume,
das wasser zaudert & der rhythmus

bricht:

doch anstatt auszuholen, den tag zu
formen & das vakuum zu vermeiden,

streicheln wir die luft dicht, nehmen
die eiswürfel & kratzen den leichtsinn.

wir ziehen vorbei: am flow. ohne dem
saft der melonen – nur taub & dösig,

aber dafür mit freiem blut.

verschiebung

hier tranken wir filme
& zerdachten ganze romane
mit rotweinflecken

nun verwehen die gardinen am fenster
allmählich die kirschbaumblüten

zwischenstufen

& irgendwo auch tapetenflüstern:

während du fällst & das ausschneiden
von satzfetzen verzweifelst

mit dem gewicht eines zarten
fuck you auf dem pelzigen

zungenschlagen, das

so weich & ohne anhäufung
von jener wohnlosigkeit

unter den dächern kapituliert
& bei jedem kopfschütteln:

den wahnsinn staubwirbelt;
blind & mit einem ausdruck

von nichts wie weg auf den
frostgeschwächten lidern

rückkehr

weil in engsten verhältnissen
raumgreifendes aufeinandertreffen
zeichen verweht
& weil in köpfen gedanken wie
scherenschnitte zu laub verfallen
während novembertage graugezogen
an ihr vorüberrauschen:

will sie geweckt werden;
will sie lavendeln & den kreis verlassen
& das helldunkel – das ihren blick entzweit –
verstecken, will goldfaul versinken,
die schritte zerteilen, will den zerfransten
fluglärm einsammeln, ihn sedieren
& die koffer – haushoch –
über etwas leeren,
das sich heimat schimpfen lässt.

aussicht

das wetter in den ausgefransten augenrändern:
liegen wir & ich träume
von fingerbetäubender großstadtferne;
kann dich kaum anfassen,
weil das kribbeln in den spitzen
mich dreht & jedes falsche lächeln
ein loch in die ufer brennt,
die an den fensterbänken entlangeilen

bald nur:

ich besaufe mich kopfüber an dir
& du tastest meine gedanken weg;
dein mund schultert die erschütterungen,
bis endlich – folgenleicht – auf deinem handrücken
dann doch wieder platz für schlaf ist

die rotation

das ist der sommer sagt sie, und ihre stimme
ist ein einziges schallschlucken. ich scharre
mit meinen worten ein loch in das zimmer:
er lauert mit händen voller wasser, hör nur,
das plätschern seiner finger auf den straßen-
teichen, es tippelt wie das stete wechseln der
jahresleichen. sie schwenkt ihre ohren in das
rauschen. wie immer fliegen ihre wimpern in
die gleiche richtung. bis wir ihnen an den rand
des zitterns folgen. dahin, wo wir uns auffangen.

so einsortiert im grün gehen uns die gedanken
allmählich aus. keine gehirne zerpflücken! liegen
und die tropfen aus der luft klauben flüstert sie.

ein lichtschwarm hängt über uns. und dennoch
– weil das gras mit feuchten perlen nach uns
schlägt – glänzt ein frösteln auf ihrer haut.

untertöne (unplugged)

unter allen gräsern / diese untertöne
und unter/schichten versteckte vögel
die blau und blaugrau mit atemnot
wie die ersten aufnahmen vom regen
verwaschen und verreist wie diese
flieger, deren bäuche du von unten
mit deinen sehnsüchtigen augen
küsst

aber was ich denke: was weiß wächst
und kalkblau anschwemmt / von mund
zu ohr; ich staub’s in deinen nabel
da liegt’s und du fliegst, ich seh’s mit jedem
dieser sprühsahnenscheißer, die den himmel
zerteilen

aber was soll’s? / wenn ich in der
mittagsluft rolle: auf lichtbrücken
und dem stadtgeflüster, dem meer aus
himbeerkörperlosigkeit – mit dem wind
im anschlag, dem ziehen an den zehen
und den glaskugelgedanken: dann ist
der wille auch nur ein stück leerer
anziehungskraft

fernweher

inwendiges blickdichten,
mit falschen brieföffnern die welt reinlassen,
stolpern, nach außen,
abwechselnd fragen kaschieren, antworten fressen,
scheinweltsein,
zwischen den türmen der grasnarben,
zungen über salzberge rollen,
einschlafen, aufwachen, mäandern,
einschlafen, aufwachen, fernwehen,
gedanken verwehen, tagträumen,
richtigstellen, falschstellen,
den frühlingsliedern die zeilen rauben,
sonnengänger im park beobachten,
grünflächen tapezieren,
rastnotizen auf den schulterblättern,
katzenjammer,
einschlafen, aufwachen,
wieder das mösengezwitscher,
lakonische nachmittagsscherben,
frustwarnungen,
teilzeitüberlegungen,
fahrradkinder,
klingelscherze,
tischtuchhemden,
das aufgeblähte balkonwippen,
südlichkeiten, die von lachterassen fallen,
ausfalten, in luftlöchern sitzen,
buchseiten streicheln,
hirn auf nordströmung,
blick auf rock ’n‘ roll,
tanzbeinschwingung,
den nachlauf auslassen,
weinflaschen sammeln
& gegen den wind greifen.
mit aufpolierten silben
in der gesäßtasche.

nestlinge

man hat uns
beim zögern erwischt
und doch warten wir

und betrachten
die grauseeligen
wetternester

tasten über
das regenblau
und kaum dass wir

schlafplätze tauschen
lernen wir abschieds-
formeln auswendig

nebelkerzen werfen

falls wer fragt –
könnt‘ ja sein, dass jemand
durstige schwalben
in die himmelfarben wirft –
könnt ja sein,
ich weiß es nicht,
dann sag ihm:

mir riecht’s nach
schreibwut, mir schmeckt’s
nach fehlsicht &
alles andere

ist ohne mich
auf reisen, ist weit &
unmöbliert, ist irgendwie
vor allem nicht

aber hier & auch da
bin ich noch immer
ein- & auswärts tretend,
auch wenn den tagen
– allmählich –
die haare ausfallen

war ein wunderland

kleiner krieger,
beim träumen verletzt
war nur lautloses herz an kühler schulter
& seelenpfand zu früh; auch:
körperwunderland
wie leiser schnee
im sonnenalleinsein alles – nur nicht
& kein schmetterlingsbauch.
trotz all der rotweinlaunen,
matrjoschkafundglückseligkeiten,
oktavenschwindel,
aufgereihten wiedersehensidyllen:
die meere sind leer, kleiner krieger,
beneide dein wachsein.
your song war nicht mehr als
baustellentextur;
& nein, verstehen muss es keiner.

schnappschuss

wenn alles weltsein
auf weißen flüster-
tönen spaziert, weil

wir dem morgen
eine falle stellen,
werde ich nichts

von der stille hinterlassen,
nicht auf deinem rücken,
nicht zwischen den schulterblättern
von liebe erzählen – dann werde ich

nur die bisswunden am hals zählen
& dem jazz deines herzschlags vertrauen

tellerrandliebeleien

während alles wieder auf den
halbnackten anfang spült
& uns’re blicke sich im trägen
schwarzblau verschachteln
fällt eine frage aus dem raum:
haben wir uns nicht verzählt?
(damals)
bei den wäscheleinenlichtern
an der blickdichten grenze
im herbstlaunenrot als wir
versuchten einen blumentopf
für die ewigkeit zu gewinnen
& kinderherzen verschenkten
wie übermütige flaschengeister
verdammt, where were our minds?
out of order – you know the rules …

& was geschieht nach all
dem furiosen irrsinnstaumel
den wir uns in die brust
& ins aufgeweichte hirn gestampft
haben wie zwei lebensfrische
sehnsuchtsdebütanten:
zufriedenheit & lebensleichte
teppichfransenliebeslosigkeit
schadensbegrenzen das wert-
lose staunen beim letzten
zahnbürstentausch & da wo
ein fehler verschnupft das
immerwiedervonvorne &
nocheinmaldrübernachdenken
in gedankenkostümen versteckt:
echt heavy, bad news, vielleicht
einmal atmen, den kopf voller
großstadt, aber dieser unterton
als wäre das alles total cool

& dann plötzlich:
unweit deines lebens
nehme ich den ort
& dillon flüstert
mit rotkaschierten lippen
in der nachtwarmen ver-
schwörung aus alkohol:
ich habe da dieses mädchen
kennengelernt, echt hip & kooky,
sie ist verrückt, nicht nur schön,
nein, sie lebt & klingt nach
verrutschten farbsehnsüchteleien

aber da ist wieder dieses
herzblinzeln & das hält mich wach
wie das einzige selbstsein hinter
den mauern der weltretter:
du weißt, wir hatten nichts zu verlieren
– außer uns – das war der deal, princess:
if you walk away / please let me know

doch & auch ohne den rausch

du, grabenflüsterin, vielleicht
wollten wir das milchglas
zerkratzen, wollten wir
gedankenverfroren
verweilen, verästelt wie
winzige wunderblitzlichter
zwischen nacht & augenschlaf

das getöse aufhalten
abflussklänge verwahren
uns gegen etwas auflehnen
um nicht den mut zu verschwenden
wollten die reste des sommers
auf haarspitzen balancieren
alles in schlange stellen

hinterrücks gegen den aufstand
das leben im unland beenden
wollten den stundenwuchs
die sternenflossen
berühren, das leuchten
aus wasser in unbewegten
sekundenbruchstücken bewahren

herz/zeitlose

deine fußspitzen
sie baumeln reglos
über dem offenen meer
der großstadtherzen

was schwimmt so
eiswasserkalt
durch deine augen?
sprich, ist es die
kälte im laternenlicht?

nicht kälte, aber alleine im lichtbrechen der fassaden
alleine und aussichtslos über den flügelschwachen dächern
alleine und deswegen frage ich: nimmst du meine hand

bevor ich falle?

langstreckenflieger

wir sind
wie glücksformeln wie desiderate
auf einem sinkenden schiff von
der auswinterung vertrieben sind
wie langstreckenflieger die sich
einen dachgarten über ihr
wiederkehren wünschen wir

richten uns nach den luftblasen
dem weißen windstoßen der
vereinzelt von zigarettenpausen
schwärmt wenn wir flattern uns
wie heizungsschlingen inmitten
warmwetterfronten verkeilen

sind wir
wie zwei enden ein und
derselben geschichte

3 a.m.

du weißt doch selbst

wie zähflüssig
das tick-ticken der uhren
a prima vista
geräuschfremd
zimmerecken verkleidet

wie sehr ich dich
trotz aller fehlerfälligkeiten
mit jedem maitag

wie sehr ich hinter
den tapetenwechseln
ausschau halte

nach der tagschwärze
wie sehr ich
nach deiner nachtweiße
wie sehr ich mich
nach ihr sehne

nach deiner makellosen
unsicherheit
deiner scheu vor dem
lautmalen
der angstlarven

wie alles sinnleer
vom wanken
wie alles achselzuckt
im restmüll

warteraum

wenn ich dir
augen falte
fast schaufensterzart
den blick leere

weil wir blindfliegen
durch niederschläge

fernverlenkt
& immernochwartend
tagesketten zählen

dann scheint es
als mache der frühe sommer
das warten erträglich

schallschluck/-auf

mit dem sonnenausgehen,
dem lichtschalterwippen
zwischen flussaugen,
endet das rote, das leuchten
der verwaschenen vögel.

& drinnen, auf gezuckerten
basslinien, weht zum vierten
mal make it rain über den
plattentellerrand.

flugschreiber

(wir)
bestechen die stunden
mit feigem herz/schaukeln
& reden vorbei: an dieser
kaltfließenden tristesse

finden den beat uns’rer
frühlingslaunen: im aufwind
hinter den wolken/trommeln
latent & sterblicher als sonst

hier oben sind wir:
vielleicht nicht mehr als
seelen/schmeichler mit
wachsweichen federn
& fehlerlosen träumen

frühlingskinder

sie rennen also
durch das vergessen
schleifen den gedanken
raureif von der seele

spätabends:
mit wundgerissenen blicken
wie maschinen rollen sie
unbeholfen
vorbei an diesen
puzzleteillichtern

voll aufgebrachtem
zähfluss pocht:
gleichgültigkeit
zwischen den
schläfen der nacht

sie wissen nicht
wo das wasser
spuren hinterlässt
kaschieren ihre schritte
mit wachsmalsorgen

wie sie nähe verschwenden
mit leuchtwarmen augen
wie sie körperstellen verschweigen
mit heimatlosen nicht-worten
wie sie taubheit verdrängen
die frühlingskinder
auf ihrem weg in das
farbenfrierende vergessen

nose candy

verläufst dich im
glitzerleichten spuren legen
candy girl
wenn dir die sorgen
aus den augen flattern

versprichst dir kalten rausch
wenn das schimmern
an dir klebt & drehst
den tag im kreis

trostwandlerisch

verliebst dich wieder
ich hab dich gesehen
(allein und zerrissen)
buchstabierst noch den kuss
auf dem weg ins verschwinden

flockentanz

lausche dem sinken
die ohren auf halbmast
die strömung im farbneutral
das lächeln verfault

deine schritte verfehlen dich
nichts als glücksbeschwerer
weiß auf weiß
egal, versuchst jetzt dein glück

auf der anderen seite des himmels

hier

wieder hier sein
zurück & neu vertont
an dieser stelle:
auftreten!
mit dem gewicht
(d)eines schattens

die schnäbel voller sand & ein:
klopf, klopf da drüben am fenster
hinter dem: das meer
mit wellen nach mir wirft

blickfest
die augen in den himmel
werfen & mit
feuerzungen
lichterlosen ketten
folgen

mit nichts als
wachgespültem restschlaf
in den taschen

& den staub aus
erinnerung
kunst &
alkohol
am strand
vergessen

jenseitsmädchen

sie legt die augen auf den tag
hat nichts als sonne heut gegessen
ihr dasein läuft jetzt ruhig
durch alles eisgeklammer

sie schluckt die müdigkeit
& fragt im mondscheinstaub die ferne
doch alle fragen weilen blind
& nichts macht ihr den abschied schwer

die leisen tränen streicheln
nur noch aus vergesslichkeit
& aus den sternen regnet
hoffnungswarm ihr wangenrot

& so ist es
dass sich ihr luftzug
im schneefall
veratmet

landungsbrücke

verstoßen
von inseln
daselbst liegen
die vers/toten

ein gähnen
erstickt
den ankommenden
mond

und
alles versinkt
unter
schwarzem schnee

kinetose

mit nebelzikaden
bedeckt, die innen-
leben saugen

halb ist es noch
lichtlos im
schlafwagenland

halb ist es rostiger
wind noch vor
dem aufwachen

in mich reingedacht

und das mustern
der fensteraugen

beim warten
auf schwingungs-
tilgung ein
zwangsschlucken
von stromschnellen

was bin ich
angstverschwender
unter deinen
fingerkratzern …

wir waren

nur die untiefen
& wie sie
verschwinden

mit der unruhe
des lichts &

deine zunge
die sich in mir

verläuft

wie die klang-
streicher nur

& das ineinander
greifen an der
schmalen grenze

zwischen der enge
der eigenen haut

& deiner weite

nun sind wir nichts
nichts als
ein atemstoß
der war & sich in
erinnerungslücken
versteckt

mondbleich

es läuft jetzt alles
mondbleich
& ganz gleich
wie deine haut
wie weich
auch alles scheint
es sind die seufzer
die wie regentropfen
in deinen augen

flüstern

herbstlied

dein enges plauderkleid, das still &
kühl im herbstwind lacht: leg es ab!
leg alles sonnenbaden, sommerlichter
& die alte haut in eine schachtel rein.

streck deinen lungenschlag & fang
mit kleeblatthänden sorgenbrecher.
fang sie auf! & lauf – lauf mit nassen
schritten deinen kummerberg hinauf.

leg dein ohr: ins weiche laub & hör
den farben – hör dem herbstlied zu.

blaubeerfleck

dein frühstücksblick entlang der pyjamaidylle
& gebeugte morgensätze auf krummen beinen:
mit großen augen aus: kaffeetassen.
restentfremder, kussverachter & dergleichen.

sag, wie denkst du weiter?
während dein haar nach mir: greift.
ganz nebenbei: kissenkratzer,
lose segeltücher & ein blaubeerfleck.

zeitlebens

hier war welt schon
immer: war herzschlag
war das klopfen
an membranen: sagst du

an allem zieht: zeit
zieht, wie früher einmal
ohne hast
zieht weiter: sagst du

dein blick wird leer
erdfahl: will flach werden
will verstecken
kaltstart: dein blinzeln

und alles warnt
warnt vor dir
dein lachen: unscharf
nur dein drehen
bleibt: wo alles
alles schon immer
schon immer war

küstenherz

im abend stehen
sich diesen untergang aufsetzen
die vögel atmen
die nostalgie abschnallen
lichtbüschel, da oben, schau nur
sie löffeln die wolken
unter dem rot, die dunkeltöne
da, die schattenblätter zittern noch

mit der sonne ausströmen, jetzt
die buntstifte auspacken
über lungenschleier malen
libellenschlag, sieh nur
ein meeresfisch zerreibt die luft

das einstgrün und der wein
leg dich hin, kopfübertauchen
leg dein ohr, leg es halsabwärts, kleines
leg es brustnäher, kleines küstenherz
leg es – auf das klopfen

verzweiflungsmotiv

wie war das noch? mit dem randwandern:
krumm gemacht – für euch! in der peripherie
gebuckelt, weil einer muß doch / gegen den
stillstand. muß doch! die bedenken trinken.

einen braucht’s doch! die sprache da unten:
aus saurer milch / zu saufen. der elegie ein
wahres wörterfiltern auf die stirn: zu nähen.
wer denn sonst? wenn nicht die knienden.

wer soll denn beten? wer? wenn nicht die
ungläubigen: in ihren sehnsuchtsbaracken.
die sich unbedeckt aus dem schutz: wagen,
um dem rausschmiss / um ihm zu trotzen!

deshalb: auf vollgepackten sorgentaschen!
am stadtrand sitzen / kummerreste fressen.
als dummer elendsdebütant, weil ich – ich
muß doch: in den grellen morgen: spucken.

wut

goldbrasse, du urbaner hurenfisch! was gaffst
du voller unschuldsglanz in diesen tag hinein?

geisterstimme, du fratzenhafter lügenbringer!
was schleichst du unbesorgt durch meinen flur?

lumpensack, du schwarzer sonnenräuber! was
nimmst du mir die sicht auf rosa himmelsfallen?

verderblich

ich staune / wie die blätter das blau:
zerschneiden / die taschen sind leer,
nichts als sommerlöcher / und jenes
abendrot / die stimmung eintaucht.

herzen versinken: am horizont / sagst
du / nacht nimmt stellung / und dann:
sind wir sterblich / figuren aus rauch,
die ahnungslos / bald verschwinden.

die wahrheit wird stärker / wasser läuft,
zeit fließt / auf milchwogen / wie geister
in rotweinflaschen / und ich frage dich:
wo haben die jahre uns verlassen?

nischendasein

die enden des tages verknüpfen
an wachposten vorbei verketten
zusammenfassen und -schnüren
für jeden schritt ein loses ende
ein zahmes in die hände legen

versprochenes aufwischen – von lachterrassen
hautnah erleben, schutt karren – in nischendasein
ausweichen, fade zeichen mit fingerspitzen löschen
angst einlösen – gegen freischeine für allusionen
verblühte wellen, grelle flecken und neuausrichter

weg sein

ich sitze auf tatsachen: ohne folgen
und sollte weg sein, weiter draußen:
wo der schotter nicht so dicht liegt,
wo keine nacht dazwischen drängt.

weg sein: ohne ein und dasselbe,
ohne nachbarschaft; nur weiße luft
und hohle häuser: ein aufgerauchtes
atemholen, ein wimpernwischen.

weg sein: ohne grauzonen im kern,
nur dieser mauvefarbene rhythmus,
verwelkte sandbänke und ab und an
ein stimmenflackern und murmeln.

denkreste

wimpern nicken dazu; blauroter schluckauf,
ein verräter aus licht oder illusion vom glück:
leuchtreklame, frischer sehnsuchtsdebütant:
im zwischenraum aus schmutz und ewigkeit.

der gegenklang: schnarchen und summen,
blinzeln und flackern; flinker mundschreck,
eifrig – ich bin ein lampenschirm wider den
glühenden werbebanner: dösige tapferkeit.

erbrochene hinterhofromantik; ausgestorben:
flüssigkeit aus ziegelsteinstein, aus dreck und
falschen träumen: schmuckloses regennass,
vergänglich; nur zweistöckiges fensterblicken.

wasserschlürfen, ein schnittmusterbrauchen;
in kissen verschlafenes an tatsachen wühlen,
manchmal im aufblinken, auch im vergessen:
ein waffenstrecken, sitzen, liegen, erwachen.

ein rollen aus wünschen, ein gackern im flur,
ein sturres stück schimmel im hintersten eck;
wortleben bei nacht: halber fingerschwindel,
vom satzsuchen und -finden; angstaufessen.

und der schlussakkord? ein nadelkratzen auf
plattentellern; ein verlebtes herzklopfen: kurz,
wie ein klicken in den schläfen; harter wachs,
ideen aus künstlichem stoff und sonst nichts.

treppensturm

wie nachtschleicher schlagen sie:
rostige fingernägel in die wand;
erhängen außenaufnahmen vom
fließen – schwarzweißtreiben im
rahmen der engen möglichkeiten.

hundsgemeine hirnschlachtung!
hier an den blanken mauern.
und dort: ein schatten aus gras,
der im luftstrom schwärze fängt;
ein blick: ein lahmes augenlied.

im gang: ein leiser treppensturm,
ein wages durch die stufen blättern,
ein in den himmel rennen: auf dem
lärm der nacht – mit tränensäcken
auf den angespannten schultern.

einkaufswagenverhältnisse

du sprichst: vom filmflimmern; ich:
war einkaufen. eine packung trost.
stumpfes empfinden gratis: du ächzt
eine spitze; ich: dämpfe sie. stumpf.
auf die entfernung: ein innehalten;
haben wir vergessen, wie sand läuft?

du: unter krusten versteckt; ich: nicht.
kofferträger bringen: ein atemholen.
da: ein kleeblattwuchern. hier: brust-
hohe wälder. du verlierst: dich; ich
suche: nicht. von tönen überbelichtet.
wir verspüren den stimmenschwund.

wie sie sich gleichen: die immer gleichen.
ein wieder verdauen. flicken und richten.
die lebenszeiten. auch: die jahresleichen.
die glänzenden. und auch: die schlichten.

was bleibt?

was bleibt / wenn der morgen
bei anbruch der sprachlosigkeit
ein vorgetäuschtes flehen
in deinen bauchnabel legt?

ein beharrliches läusefieber im
nacken / wenn ich dir violette
küsse auf den unterarm kippe?

ein stechendes schmetterlings-
winken im rücken / wenn ich dir
ein lebewohl auf die brust sticke?

ein verzerrtes möwenkreischen
zwischen den zeilen / wenn ich dir
den türknauf ins rückgrat werfe?

vielleicht auch nur:
ein zerkratztes fältchen auf
einem wangenbein hüpfend

liebesleid

die stadt drängt leise
lieder in die wachträumerei.

kopfgestalten mit schluchzenden schritten
vergießen fußabdrücke,
gewitterschwere fäulnis dampft versunken
aus den abflussdeckeln,
von balkonen schlagen schatten kerben
in die stundenfolgerei,
am straßenrand kläfft ein hund sonnenstich
in schwülen tageslauf,
auf dem asphalt erblühen schwitzbläschen
voll trägem hurenglitzern,
schweres gähnen flaniert mit lungenflügeln
durch das fade einerlei,
in deinem schoß lustwandeln sonnenrosen
und verklingen in dir.

die stadt singt sich müde,
dunkler stein bleicht ihr licht,
das glück der verengung,
verschlossen in einem wort:

hier

bauwaise

kleine, du blütenkelch des neubaublocks:
an deinen mauern unverhüllte fangfarben
& in deinen laternen lichterfrohes herz/flimmern.
an deinem rücksprung überweißer flieder
& in deinem lachen blindes steinsplitter/nacktsein.

kleine, du schlägst rostige falten in die zeit,
ein wimmern in deinem bauchnabel erhellt:
puls & schenkel mit korrodierter leuchtzeichen/kette.
ein bangen an deinen steinlenden entfacht:
blankes & verkrümmtes gähnen nachthimmel/wärts.

kleine, im ganzen bist du fehl am platz,
du kreuzgeschwächtes baugeschöpf:
von angerauhten hirnhautfetzen fortgespült
an einen traumverschrammten ziegelstrand.

zufluchts/staub

ich tauch in dir auf:
am rand deiner stimme,
ein wehen verfängt –
und schatten, sie fegen:
ein zittern auf straßen;
das neon erlischt –
im seichten verdruss,
weil sich dein nebel-
haariger schopf:
über mich beugt,
während der regen:
in händen verrinnt,
und ich ganz berauscht,
den zufluchts/staub –
mit knirschenden augen:
hinuntersehe.

vom sträuben träumen

die alte wündin, sie bellt und
gräbt die narben wieder auf.
sie schmecken so sauer, die
erinnerungskrüppel im maul.

der katze ihr schwarz, wohl
fällt es taubengrau vom fell.
sie gähnt nach der jugend,
die versalzen ihr rückgrat bricht.

der nackte vogel, er schlägt
mit unverhüllten flügeltüren.
sein flug kippt unvergessen
stolze luft auf katze und wündin.

und irgendwo ein blindes kind, das
sein sträuben am himmel versenkt.

sehnsuchtssilhouetten

dein schöner gang! enttäuscht
ein flammen entlang der konturen.
und ein loses schwingen bewacht
noch: den einstigen trugverschluß.

dein züngeln verschwappt mit
speichelndem brausen: im nichts.
mit liebeswelker bitterkeit gefüllt:
ein ausgebranntes schattenspiel.

dein auseinander stachelt wirrung!
in mein hier und jetzt: ich misch und
masch dem durcheinander voller
trotz: du! beführ und verrühr mich.

wehmut

was mir endzündlich winkt,
ist lichterschweres ducken.
es blendet aus den wellen
klingelscherze in mein herz.

was mir ein trallala verbürgt,
ist rosaroter ungleichstrom.
er verliert sich vorsichtslos
in schlichtem normgegrau.

entfesselt will die lethargie
ihr gleichgesicht aufstecken.
und ihren spitzen trauerrand
auf zeitvernutzung brechen.

soll das den tag verbrennen?
ihm weißes feuerplatzen durch
gewalktes rückrat schwemmen?

ich sauf ihn aus, den eisgekühlten frühlingsduft.
zu denken geben mir dabei die gaumenklänge,
wie sie blütenkackend meine zunge streifen …

wiegenlied

da prahlt er feixend über dir – der fette mond!
mit vollem schmatzen tilgt er häuserdächer
und nagt verkrümmt an deinem kalten schlaf.

ich möcht ihn schlingen – den adipösen kreis!
mit rohem hunger löcher in den himmel beißen
und die zähne in den feisten ruhestörer treiben.

für deinen schlummer – ein zigeunerwiegenlied!
mit sternenresten zwischen zähnen sing ich’s dir
und streue zucker in die wachgespeisten augen.

ich nehm dir nun – die aufgetaute regsamkeit!
mit leisem fingerspiel die müde haut umwehen
und dich vor nimmersattem nichtschlaf schützen.

umgestürzte träume

ein geäst von ewigliedern:
schrieb ich dir auf deinen bauch.
ich wolkte kieselfeine lieder:
mundgerecht auf deinen hals.

am leeren klang getäuschtes:
so tonlos blieb es ohrersäufend.

schiefumspannte weite naschte:
an dem angstgefüllten überrest.
wo nebel weilte: auf lippenweicher haut:
fing ein fürchterlicht den taumel lautlos auf.

glaslaune: lass mich nicht: wenn lebenskalte müh
mich tagesmüd verzerrt: in saurer milch ersaufen.
nach all dem zaudern weilt in jeder aufgeweichten
nacht: ein lustgeschwitzter stimmenrest in meinem bett.

heb auf: die umgestürzten träume, zerreib:
die fetzen! ich: strick aus sehnsucht flügel!
und warte bis ein ungebrauchter morgen:
dich und mich mit sonnenfackeln weckt.

herzköpfen

lippe, du zimtverzücktes! wolkenstück …
beginn: geköpfte herzen aufzufangen.

dein beben löscht verkippte kummer-
strahlen! violett hinweg …

mit schleichend wasser! trink ich aus
den mund … bereit, zu übernachten.

tränen, heute nicht! denn alles sonnen-
licht entklammert mich …

gedankenlos

wir gingen vorbei
an felsigen wellen /
jetzt stehen wir hier
und warten / auf die
nächste u-bahn

sie grollt durch
den schlund / und ich /
ich denk an nichts

weißclown

in der manege:
das licht färbt
den weißclown.

noch immer:
schwarz betont
die augenbraue.

doch sag: wer
soll lachen / wenn
er einsam ist?

kurz notiert

turteltaube, du: du
steigst durch eine
überdosis bitterkeit

und da: da steht
die böse neue zeit
und drängt

und ich: ich stürze
wieder rein ins wort;
mit vollen flaschen
wut in jeder hand

kreta

als zwei zimtspitzen unter deinem kleid
lachten / an einem sommerabend fern
von hier / und wie gezuckerte knospen
über schaumwellen / im klaren mondlicht
schwammen / nahm ich deinen mund
als süße vorspeise / und ließ meine
zunge wie einen vagabunden / durch
deinen warmen atem wandern // später
liebkosten deine nackten schritte den
strand / und ich blieb taumelnd hinter
dir / um den sorglosen tanz deiner beine
zu sehen / zwischen denen ich in diese
nacht eintauchen wollte / um dort den
rest meines lebens zu verbringen // hatten
wir damals nicht so viel meer vor augen?

erfüllungsmelancholie

weck mich bei sonnenaufgang, sofern
dein atem flachen nebel streut; behutsam.
streich die schwerelosigkeit hinweg und
gönn der früh ein träges insichkehren.

denn vor dem eingang wartend: glaswolken,
verhüllt mit inkarnat. und unlängst todgeweihte
sollbruchstellen, die auf dächern nackte tänze
in den himmel stampfen. kawummste laut-

malerei, die gedröhne übergänglich macht.
nichtsdestotrotz gibt tagwerk heut bekannt:
durch deine hand will ich aus rohem denken
mich selbst verstärkt bekennen; aufrecht.

dem schulde ich kein anderswo, das diesen
einfall ewiglich umschließt. dem ergebe ich
mich, wie das kläffen dem hund, wie das licht
dem tag, wie das schwarz der ewigkeit. und

werfe glut in diese stunden; glimpflich, fried-
erfüllt. bis ich abends mein letztes wort in
einem schluck auf treues publikum vernichte,
während eine lücke auf dem bettzeug klafft.

barcelona

ich kann dich hören
wie du grambefreit
wie du engumschlungen
gegenwart erlöst

mit stimmengewitter
zukunftswahn durch
deine gassen scheuchst

ich kann dich sehen
wie du zweifelsfrei
wie du sonnenschwer
träume entfaltest

mit lebensleichter
daseinslust die see
am strand verspeist

ich kann dich fühlen
wie du unverhüllt
wie du kummerfrei
schweigen brichst

mit frohsinnsort
zwei wunde seelen
aneinander knüpfst

und weil verhärmte damalssucht
vom hier und jetzt beleidigt wird,
schleppt sie grinsend ohne uns
ihre jubellichter weit und weiter fort

hausgemacht

unsachlich will nicht messer
kerben in einem hinterhaus
in stufen achtsam treppen
hinauf verschneiden müssen

vielmehr abwärts tänzeln
mäusestimmen regentropfend
entlang betrübtem wanddekor
durch einen schmutzgezierten

irrsinnsflur

und auch hier ein mildes grau
entsetzt sich schwatzend über
löcherliches teppichsprach-
gewirr dezent entfärbt hinweg

von fragmenten getäuscht
verläuft sich stille unverstellt
mit wehen mandelsplittern
an dem kalten mauerwerk

ist das nicht trauerschädlich –
eingepackt in windelwarmes,
von sinnbefreites potpourri?

wie viele monde?

ein wolkenloser tropfen nacht:
voll schuldentleerter herzen –
verrinnt planetenlos auf ihrer lippe.

jedes unbeschwerte seufzen:
wenn die hand im nacken weilt –
spielt mir lächelnd einen streich.

mondsüchtige reizfläche:
von augenblicklichtern verziert –
hetzt fremde zungen durch
speichelwarme mundlandschaften.

gähnende häuserschlucht:
aufgerissenes maul aus stein –
schlingt mit weichen zähnen
nass liebkoste fingerspielereien.

du hungerst mich:
doch meinen durst
verstille ich an ihr.
sie atmet schwer:
doch ich verbleibe
abermals an dir.

wo gefälschte liebelei
schlaflos an mir kostet,
wo der morgen rotverdreht
süßen schaum verspeist,
wo verlangen heimatlos
ein innehalten schweigt:
erdenke ich ein trugbild
voll verklärtem einstmalsduft …

zwölf

ein dutzend an jahren
erbricht sich erschlagen

in mutlos verhülltes
und wolken verkacktes

in trostlos ersticktes
und tagtraum versüßtes

in wortlos geschmücktes
und sandstein verkratztes

wunschweltgedachtes

mösengezwitscher

wo der lenz ein eisverlecktes frühsommern
mit pappenstielen durch die stadt scheucht:
hängen glattwandig blutleere sonnenfetzen
nassgeschwitzt auf asphaltierten tristessen.

wo alles nur mit heißer asche wirrnis tüncht
und jeder sinn kastriert von einem atemzug
an mauern weißverschmierte wunden bellt:
schleckt blumenwachs verklärte tagesluft.

wo im mäandern sprachgeburten untergehen
und lippenflüssig unter röcken büschel kosten
um mit weichgestreckter zunge ihren durst
an fabelgeiler kühnheit nonchalant zu stillen:

hastet über sandverspielte häuserstrände
mösenzwitschern wie ein leiser plauderton.

luzider traum

unter furchtverpackten monden – angstgeschleudert –
an deinen fesseln festgeleckt, mit zähnen worte aufgerissen
dein wimmern handgepackt, den schrei dem morgenrot
verschenkt und mich dabei in dir verletzt

benetztes sorgenkind – im hauch entruht
dem kerzenschein mit scheuer wut ein stöhnen abgeronnen
tränen von planeten zwischen deinen schenkeln aufgefangen
entblümt, verfruchtet, nass gestoßen

mit zarter gewalt gegen die – nachtlosigkeit –
an deinen wangen beten speichelnetze – dein blassgefälschtes
atemstück, mit zungenraserei in meinem ohr verglückt und glück
und glückgedank, die haut mit bränden füllt

nicht dürfen

in langgestreckten worten zäh gegossen
das wünsch gewundert abendrot
und unter wolken mauvegeleckt zerissen
ein nackt gedachtes glücksverbot

sonnenbrandung

mit glirrenden fingern kratze ich fenster
scheibenspiegelnd von wasserspielen.
und du? starrst neben dich begrabung
in den dunst.

in die willst du mich legen, mit staub
von morgen sonnenbranden.
und ich? fang losgelöste zweifelungen
händeringend auf.

abgesang

wo?

vielleicht nicht hier. aber jetzt.
ein leben nur / wär’s doch eins.
vielleicht auch meins.
und dann der aufruf des mondsüchtigen
(möglicherweise nur als hintergrundrauschen):

gläserne locke zerbrich / nicht
flüchtig – an pfirsichhaut –
wenn sich dein lachen / in dir / ersäuft

nur wohin?

vielleicht nicht weg. aber weit.
ein ort nur / wär doch einer da.
vielleicht doch hier.
und dann der schrei einer nachtigall
(möglicherweise nur als untermalung):

weil du fremdem glück ausgesetzt /
bist du schönheitstriefend –
wo du augenweide warst / bist du / nicht mehr.

was

was willst du wollen
wenn du nicht willst
dass du willst / weil
du nicht willig bist?

was soll ich lassen
wenn es mich längst
gelassen hat / weil
ich nicht lassen konnte?

was soll ich können
wenn ich nur wollte
aber nicht konnte
weil du nicht wolltest?

was soll ich
wenn ich nur soll
aber nicht darf
wo ich wollte?

später herbst

als ich den blick von dir
und den kopf leicht drehte

dieser wind ohne blätter
wie er da raschelte im nacken

war niemand zugegen
die kastanien zu sammeln

vogelmädchen

verzeih vogelmädchen:
ich war von deinem blick enttäuscht /
nun habe ich farbe verwischt:
weil mich liebe verlassen /
verlasse ich liebe / lasse ich
dich: vogelmädchen

überseh jenen morgen:
ich fand keinen tau im nacken /
nur milchflaum im winter:
in einer einzigen bewegung /
bewegt mich / bewegung im
mund: mädchenlücke

so faul alles / seitdem:
gelbes sandelholz nicht mehr /
in der kehle ein flächengefüge anstimmt:
weil butterweich bekennt: du fehlst

blasiert

narziss / warum schließt du selbst-
gefällig deinen goldmund?
inmitten der trümmerwogen
vertrauter gefühle:
verb/lieben wunschwelten
in denen ich frage:

narziss / warum meidest du selbst-
zufrieden vertraulichkeit?
wo alles schwindet / wäre es doch
der ort:
darüber zu sprechen

herbstzeitlose

ein flüstern auf deinen
brustwarzen verspricht /
so viel unter der schwere der nacht

wo mich das knistern
deines haarbüschels /
mit fiebergefühlen verlacht

blechtränen

ich warte am straßenrand dass
pfützen in autos fahren und
mich blechtränen überschütten
weil auf dem asphalt schon
die neue sonne aus nachtwolken
glotzt / doch alles bleibt leer im
warten und nichts schleppt den
trödel aus dem obdach meiner
gedanken hinaus ind die steinernen
felder wo schluchten aus fenstern
schlaftrunken erwachen