Archiv für April 2009

zwölf

Samstag, 25. April 2009

ein dutzend an jahren
erbricht sich erschlagen

in mutlos verhülltes
und wolken verkacktes

in trostlos ersticktes
und tagtraum versüßtes

in wortlos geschmücktes
und sandstein verkratztes

wunschweltgedachtes

mösengezwitscher

Freitag, 24. April 2009

wo der lenz ein eisverlecktes frühsommern
mit pappenstielen durch die stadt scheucht:
hängen glattwandig blutleere sonnenfetzen
nassgeschwitzt auf asphaltierten tristessen.

wo alles nur mit heißer asche wirrnis tüncht
und jeder sinn kastriert von einem atemzug
an mauern weißverschmierte wunden bellt:
schleckt blumenwachs verklärte tagesluft.

wo im mäandern sprachgeburten untergehen
und lippenflüssig unter röcken büschel kosten
um mit weichgestreckter zunge ihren durst
an fabelgeiler kühnheit nonchalant zu stillen:

hastet über sandverspielte häuserstrände
mösenzwitschern wie ein leiser plauderton.

andenken

Montag, 20. April 2009

darf ich entzweien?
an worten versätzen, mit sätzen verstücken, in stücken verschlingen?
dich: spalten, zerteilen – ein abbild bewahren?
wenn sich dein rest behuren und verspucken –
von neuem glück verführen lässt!
und mir ein fetzen deiner selbst als zweckbefremdet trostgedeck
den bauch befüllt … und mir ein stück von dir im magen hängt,
dem ich vielleicht genüge.

doch wer? sag wer! wer rotzt auf meine stirn?
wer kniet an meinem platz? wer frisst dich auf und schnappt
den letzten bissen vor mir weg? wem bohrst du fingerspitzer
in das schulterblatt, wer füllt dich aus?

mit nein auf nein –
türmt zorn sich auf. an dir benetzen, an dem restbestand.
vergilbtes abziehbild: verschenk mir einen tränenschluck,
einen lockengruß, den duft aus deinem nacken. es ist mir einerlei!
nur lass mir irgendwas …

lebenslüge

Montag, 20. April 2009

weil du das wagnis scheust. ja, weil du kunterbuntes wagestück verschläfst. weil du im graugefälschten widerspruch die regeln stellst. weil du das fremde an dir spüren willst. weil du von anderen vernutzt werden willst. weil du von furcht verfolgt nur meinen schatten siehst. und er dich jagt und nicht in frieden lässt. weil du dich in dir selbst verrennst. weil dir in mir nichts neues scheint. und weil so vieles auf ein irgendwann geblendet wird –– bleibt nur ein letztes ruheloses aufeinandertreffen. kein forschen, kein nähern, kein mut. nur stilles kopfschütteln. und reden. ein reden, das utopien verwäscht, das neue wunden reißt und gegen ineinander-greifen spricht. das gegen kühnheit klarheit stellt. und doch, ein lächeln hier und da. ein kleiner tropfen zuversicht. und dieser blick, der alles karikiert. warum? warum nur hab ich mich an dir verschwendet? warum bin ich vom letzten kuss noch abgelenkt? du wunschgedachtes einzelwerk, du mondscheingleiches glücksgesicht, du falschgefühltes wahnkonzert – warum nur hab ich jahr um jahr an dir verbracht? ich weiß warum, doch sag ich’s nicht. ich schrei es nicht, ich brülle nicht, ich krähe nicht. ich nenn es dir im stummen schreiben: verliebt bin ich. wie dumm von mir …

luzider traum

Freitag, 17. April 2009

unter furchtverpackten monden – angstgeschleudert –
an deinen fesseln festgeleckt, mit zähnen worte aufgerissen
dein wimmern handgepackt, den schrei dem morgenrot
verschenkt und mich dabei in dir verletzt

benetztes sorgenkind – im hauch entruht
dem kerzenschein mit scheuer wut ein stöhnen abgeronnen
tränen von planeten zwischen deinen schenkeln aufgefangen
entblümt, verfruchtet, nass gestoßen

mit zarter gewalt gegen die – nachtlosigkeit –
an deinen wangen beten speichelnetze – dein blassgefälschtes
atemstück, mit zungenraserei in meinem ohr verglückt und glück
und glückgedank, die haut mit bränden füllt

zauberling

Donnerstag, 16. April 2009

bemalter zauberling aus der ferne verblickt
in ein anderes ich – oder anderes jetzt verführt, doch kaum berührt …
von locken umworfen – an blättern vergrüntes: baumgewirr
aus dem ein lachen schlingt und sich und mich
an einer schnur durch gräser zieht.

zerfurchter fruchtgedank aus mir entspuckt
an deinem haar verglückt, an deiner nase abgetropft
von deinem fuß vertreten: nackt – so wie er gräser drückt
wer bist du nur? frag ich den kopf an mir. was bist du nur?
fragt mich das farbgeblüm.

ich ziehe seilgepacktes allerlei durch deine sicht
hör kunterbunte flüchtigkeit – die mundfaul: zähne knirscht
und warte dass der mond mir sichelt, nächtens das gemüt
umstillt und dich und mich betrunken macht …

wenn

Mittwoch, 15. April 2009

ja, und wenn ich störe, wenn ich rede und rede, wenn ich dich mit worten zerpflücke, mit blicken entkleide. und wenn schon? und wenn auch das schweigen dich engt, mein denken dich zwingt, mein ich dich zerfrisst, dein du mich vernarrt, kein wir mir verspricht. wenn nicht und nur und irgendwann mich brechen, kein hier im jetzt, kein wir im heut, kein kuss die haut bedeckt. wenn nicht der mut die schatten scheucht, nicht licht aus dir entspringt, wenn dich das schwarz gefangen hält, wenn ich den wunsch zu lang durch dich gehaucht. ja, wenn. und wenn und wenn. wenn nur warum noch brennt und sich die glut nicht selber leckt. dann schrei ich wände nieder, und sag’s dir ins gesicht. ich liebe dich. drum lass mich endlich los.

nicht dürfen

Dienstag, 14. April 2009

in langgestreckten worten zäh gegossen
das wünsch gewundert abendrot
und unter wolken mauvegeleckt zerissen
ein nackt gedachtes glücksverbot

sonnenbrandung

Dienstag, 7. April 2009

mit glirrenden fingern kratze ich fenster
scheibenspiegelnd von wasserspielen.
und du? starrst neben dich begrabung
in den dunst.

in die willst du mich legen, mit staub
von morgen sonnenbranden.
und ich? fang losgelöste zweifelungen
händeringend auf.

halbiert

Sonntag, 5. April 2009

nein. heute keine schreie gegen dich
ich lasse wände schweigen um nicht
erschlagen werden lass ich nicht
das mir in dir wenn du längst
gegangen wurdest von dem
was du nicht bist wie ich dich kenne

was drehen sich die worte drehen sich
um dich nicht mehr und doch zu oft
verselbst und ständig durch mich
durch dich weiß nicht wieso dich
du nicht mir gib dich doch und uns
und alles nicht auf die waagschale

nicht ich will ich nicht mich und ich
das bin ich nicht ohne dich nicht
wir das war einmal weil sorglos uns
verlassen hast du nicht ich könnt
das nicht ach will es nicht gewollt
zu haben scheint falsch zu sein

ein nein und noch ein nein liegt brütend
unter kellerfenstern fensterlich mit
grauem staub bedeckt nur dreck an
allem gestern leckt und leck ich
noch an dir und nicht und leck mich
nur ein letztes suchen ohne finden

und doch ein schrei schreit schreiend
gegen scheiben klirr und klirrend klirrt
kälte in mir auf und abgesang auf
alles was waren zeiten zeitlos ohne
dich verloren drückt mich will ich nicht
nehmen so halbiert wie du mich auch

nicht