verschiebung
Montag, 20. Mai 2013hier tranken wir filme
& zerdachten ganze romane
mit rotweinflecken
nun verwehen die gardinen am fenster
allmählich die kirschbaumblüten
hier tranken wir filme
& zerdachten ganze romane
mit rotweinflecken
nun verwehen die gardinen am fenster
allmählich die kirschbaumblüten
frag nicht
warum die dinge aus der welt fallen,
wenn wir die augen nach jemandem
ausstrecken
&
warum die bettdecke in wellen erstarrt,
wenn wir ruckartig feuchte nebelbänke
ausatmen
&
warum wir uns nicht an zungen verschlucken,
wenn wir küsse buchstabieren und lippen
zerstören
& irgendwo auch tapetenflüstern:
während du fällst & das ausschneiden
von satzfetzen verzweifelst
mit dem gewicht eines zarten
fuck you auf dem pelzigen
zungenschlagen, das
so weich & ohne anhäufung
von jener wohnlosigkeit
unter den dächern kapituliert
& bei jedem kopfschütteln:
den wahnsinn staubwirbelt;
blind & mit einem ausdruck
von nichts wie weg auf den
frostgeschwächten lidern
weil in engsten verhältnissen
raumgreifendes aufeinandertreffen
zeichen verweht
& weil in köpfen gedanken wie
scherenschnitte zu laub verfallen
während novembertage graugezogen
an ihr vorüberrauschen:
will sie geweckt werden;
will sie lavendeln & den kreis verlassen
& das helldunkel – das ihren blick entzweit –
verstecken, will goldfaul versinken,
die schritte zerteilen, will den zerfransten
fluglärm einsammeln, ihn sedieren
& die koffer – haushoch –
über etwas leeren,
das sich heimat schimpfen lässt.
das wetter in den ausgefransten augenrändern:
liegen wir & ich träume
von fingerbetäubender großstadtferne;
kann dich kaum anfassen,
weil das kribbeln in den spitzen
mich dreht & jedes falsche lächeln
ein loch in die ufer brennt,
die an den fensterbänken entlangeilen
bald nur:
ich besaufe mich kopfüber an dir
& du tastest meine gedanken weg;
dein mund schultert die erschütterungen,
bis endlich – folgenleicht – auf deinem handrücken
dann doch wieder platz für schlaf ist
das ist der sommer sagt sie, und ihre stimme
ist ein einziges schallschlucken. ich scharre
mit meinen worten ein loch in das zimmer:
er lauert mit händen voller wasser, hör nur,
das plätschern seiner finger auf den straßen-
teichen, es tippelt wie das stete wechseln der
jahresleichen. sie schwenkt ihre ohren in das
rauschen. wie immer fliegen ihre wimpern in
die gleiche richtung. bis wir ihnen an den rand
des zitterns folgen. dahin, wo wir uns auffangen.
so einsortiert im grün gehen uns die gedanken
allmählich aus. keine gehirne zerpflücken! liegen
und die tropfen aus der luft klauben flüstert sie.
ein lichtschwarm hängt über uns. und dennoch
– weil das gras mit feuchten perlen nach uns
schlägt – glänzt ein frösteln auf ihrer haut.
unter allen gräsern / diese untertöne
und unter/schichten versteckte vögel
die blau und blaugrau mit atemnot
wie die ersten aufnahmen vom regen
verwaschen und verreist wie diese
flieger, deren bäuche du von unten
mit deinen sehnsüchtigen augen
küsst
aber was ich denke: was weiß wächst
und kalkblau anschwemmt / von mund
zu ohr; ich staub’s in deinen nabel
da liegt’s und du fliegst, ich seh’s mit jedem
dieser sprühsahnenscheißer, die den himmel
zerteilen
aber was soll’s? / wenn ich in der
mittagsluft rolle: auf lichtbrücken
und dem stadtgeflüster, dem meer aus
himbeerkörperlosigkeit – mit dem wind
im anschlag, dem ziehen an den zehen
und den glaskugelgedanken: dann ist
der wille auch nur ein stück leerer
anziehungskraft
man hat uns
beim zögern erwischt
und doch warten wir
und betrachten
die grauseeligen
wetternester
tasten über
das regenblau
und kaum dass wir
schlafplätze tauschen
lernen wir abschieds-
formeln auswendig
falls wer fragt –
könnt’ ja sein, dass jemand
durstige schwalben
in die himmelfarben wirft –
könnt ja sein,
ich weiß es nicht,
dann sag ihm:
mir riecht’s nach
schreibwut, mir schmeckt’s
nach fehlsicht &
alles andere
ist ohne mich
auf reisen, ist weit &
unmöbliert, ist irgendwie
vor allem nicht
aber hier & auch da
bin ich noch immer
ein- & auswärts tretend,
auch wenn den tagen
– allmählich –
die haare ausfallen