nachtdurst

Du wickelst meine Arme um dich. Zuerst nur lose, dann immer fester. Bis dir seufzend eine Handvoll Luft von den Lippen fällt. Ich fange sie auf. Lege sie in meinen Mund und der süße Geschmack von Himbeeren steigt mir in den Kopf.

Unter mir wandert dein Körper. Mit leichten Schritten fließt deine Haut entlang meiner Fingerkuppen. Und deine Wimpern winken, während sich dein Kopf dreht. Deine Wange lässt dabei eine Strähne fallen, dein Nacken schiebt sich nach oben und legt sich an mein Kinn. Der weiche Streifen unter deinem Ohrläppchen schiebt sich zwischen meine Zähne. Und der Abdruck, den sie hinterlassen, erinnert mich irgendwie an Gestern, als wir mit glänzenden Augen und feuchten Handflächen Erdbeeren geklaut haben.

Aber der Gedanke lässt mich nicht länger zu. Weil auf deinen Brüsten Schweißperlen warten. Und weil ich es mag, wie sie sich zurücklehnen, wenn du liegst. Und wie sie aufstehen, um zwischen meinen Händen zu spazieren. Wie sich das anfühlt, wenn sie lebendig werden. Gerade so, als würde man Inseln aufschütten.

Es gibt kein Kopfschütteln. Kein gleichgültiges Schulterzucken oder Davonlaufen. Nur ein stetiges Wiedersehen. Und vielleicht ein kurzes Innehalten, während dein Puls gegen meinen Körper klopft. Mal schiebe ich mich unter deine Fingernägel, mal tanze ich auf ihren Spitzen. Wir laufen alle Wege aneinander ab. Um uns zu vermessen, vielleicht auch zu kartographieren. Aber nicht in Metern. Nicht in Zentimetern. Nein, wir tasten uns Zelle für Zelle vorwärts. Weil wir Angst davor haben, dass es irgendwann zu Ende ist.

Vielleicht war es das einzige Mal, dass ich auch bei dir diese Angst gespürt habe.

Du hast mich aufgesaugt und ich bin tief in dich gefallen. Du hast mich in dich hineingeflochten, so wie man zwei Schnüre miteinander verbindet, die man nie wieder trennen will. Und dennoch ist da so etwas wie ein leichtes Unbehagen. Ein feiner Zweifel, der sich zwischen die Schulterblätter gesetzt hat und der weiß, was als nächstes kommt.

Aber ich will dieses Unbehagen nicht adoptieren. Ich will dich weiter mit mir tragen. Ohne Irreführung. Ohne das Gefühl, demnächst meine Zahnbürste wieder einpacken und die Tür ein letztes Mal hinter mir schließen zu müssen. Wenigstens für eine Zeit.

Ich lege mich in deinen Bauchnabel und versuche mich irgendwie an dir festzuhalten.