kondratjew-zyklus

wenn ich die augen schließe, dann kann ich das klackern deiner absätze hören. und diese stadt ist wieder so, wie sie einst war. dann liegt sie da wie ein frisches bettlaken. glattgestrichen und faltenfrei. und die zeit, die jetzt zerwühlt am boden liegt, sie ist noch voller erwartungen. alles ist zugleich in bewegung. und irgendwie auch nicht. alles ist alt. und doch irgendwie neu. vielleicht auch, weil ich mit deinem neugierigen blick durch die straßen spaziere.

die luft, sie streckt sich. kalt und klar wandert sie durch die straßen. sie schlängelt sich entlang der kleinstadtschluchten und füllt die lungenflügel mit gefrorenen fragen, die keiner ausatmen will. wir betrachten die riesigen armbanduhren mit den großen zifferblättern im schaufenster. die wärme deiner handfläche und das seichte leuchten auf deinen wangen, wenn du mir sagst, welche uhr dir gefällt und welche nicht – das alles trägt mich durch den kühlen abend.

ich versuche mir deine favoriten zu merken. weil ich sie dir alle schenken will. weil ich will, dass alles, was dir gefällt, dir gehört. und die liste in meinem kopf wird immer länger. aber das stört mich nicht. für dich würde ich die ganze stadt mit einer kleinen schaufel ausgraben und zu fuß ans meer tragen, damit du glücklich bist. da zwingen mich ein paar teure uhren bestimmt nicht in die knie.

aber irgendwann muss ich die augen wieder öffnen und zusehen, wie sich die stadt verändert. hier und da sind kahle stellen, an denen nichts mehr nachwachsen wird. aber zwischendrin füllen sich die leeren stellen allmählich wieder mit leben. und dort wartet jemand auf mich. und ich werde hingehen. weil in jedem abschwung auch wieder an einem neuen paradigma gearbeitet wird …

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