zeitlebens

hier war welt schon
immer: war herzschlag
war das klopfen
an membranen: sagst du

an allem zieht: zeit
zieht, wie früher einmal
ohne hast
zieht weiter: sagst du

dein blick wird leer
erdfahl: will flach werden
will verstecken
kaltstart: dein blinzeln

und alles warnt
warnt vor dir
dein lachen: unscharf
nur dein drehen
bleibt: wo alles
alles schon immer
schon immer war

küstenherz

im abend stehen
sich diesen untergang aufsetzen
die vögel atmen
die nostalgie abschnallen
lichtbüschel, da oben, schau nur
sie löffeln die wolken
unter dem rot, die dunkeltöne
da, die schattenblätter zittern noch

mit der sonne ausströmen, jetzt
die buntstifte auspacken
über lungenschleier malen
libellenschlag, sieh nur
ein meeresfisch zerreibt die luft

das einstgrün und der wein
leg dich hin, kopfübertauchen
leg dein ohr, leg es halsabwärts, kleines
leg es brustnäher, kleines küstenherz
leg es – auf das klopfen

verzweiflungsmotiv

wie war das noch? mit dem randwandern:
krumm gemacht – für euch! in der peripherie
gebuckelt, weil einer muß doch / gegen den
stillstand. muß doch! die bedenken trinken.

einen braucht’s doch! die sprache da unten:
aus saurer milch / zu saufen. der elegie ein
wahres wörterfiltern auf die stirn: zu nähen.
wer denn sonst? wenn nicht die knienden.

wer soll denn beten? wer? wenn nicht die
ungläubigen: in ihren sehnsuchtsbaracken.
die sich unbedeckt aus dem schutz: wagen,
um dem rausschmiss / um ihm zu trotzen!

deshalb: auf vollgepackten sorgentaschen!
am stadtrand sitzen / kummerreste fressen.
als dummer elendsdebütant, weil ich – ich
muß doch: in den grellen morgen: spucken.

wut

goldbrasse, du urbaner hurenfisch! was gaffst
du voller unschuldsglanz in diesen tag hinein?

geisterstimme, du fratzenhafter lügenbringer!
was schleichst du unbesorgt durch meinen flur?

lumpensack, du schwarzer sonnenräuber! was
nimmst du mir die sicht auf rosa himmelsfallen?

verderblich

ich staune / wie die blätter das blau:
zerschneiden / die taschen sind leer,
nichts als sommerlöcher / und jenes
abendrot / die stimmung eintaucht.

herzen versinken: am horizont / sagst
du / nacht nimmt stellung / und dann:
sind wir sterblich / figuren aus rauch,
die ahnungslos / bald verschwinden.

die wahrheit wird stärker / wasser läuft,
zeit fließt / auf milchwogen / wie geister
in rotweinflaschen / und ich frage dich:
wo haben die jahre uns verlassen?

nischendasein

die enden des tages verknüpfen
an wachposten vorbei verketten
zusammenfassen und -schnüren
für jeden schritt ein loses ende
ein zahmes in die hände legen

versprochenes aufwischen – von lachterrassen
hautnah erleben, schutt karren – in nischendasein
ausweichen, fade zeichen mit fingerspitzen löschen
angst einlösen – gegen freischeine für allusionen
verblühte wellen, grelle flecken und neuausrichter

weg sein

ich sitze auf tatsachen: ohne folgen
und sollte weg sein, weiter draußen:
wo der schotter nicht so dicht liegt,
wo keine nacht dazwischen drängt.

weg sein: ohne ein und dasselbe,
ohne nachbarschaft; nur weiße luft
und hohle häuser: ein aufgerauchtes
atemholen, ein wimpernwischen.

weg sein: ohne grauzonen im kern,
nur dieser mauvefarbene rhythmus,
verwelkte sandbänke und ab und an
ein stimmenflackern und murmeln.