in luftscheuen falten verfangen

siehst du, wie die bäume allmählich ihren sommer verlieren? unsere stadt ist milch, ist honig. die sonne schwimmt und du hörst: ein krächzen. es hängt da – als laubloses verwirbeln.

ich sehe dich. wie du da sitzt: ein heimwenden, ein vogelfliehen. hingegossen vom wind. und deine langen haare, die über deine schultern wasserfallen.

das brausen in den ohren, das pochen in der lücke. gegen blau hilft kein schlaf. du weißt: hier ist kein tag. nur ein oktober, ein einsames zwillingskind – ohne post von gestern.

der herbst hat’s gefressen. schau dich um: anstand verwirrt, die straßenfäden bündeln sich. und die schatten klauben den lärm mit rostroten händen.

letzte blumen, im rücken ein stechen. die haltung: ein unbekannter ort. hier ist stein nicht stein. alles zerbricht, glas zerfällt. du nickst – und die erntekrätze liebkost die trümmer.

wie du verschwindest. ich kann es sehen. auflösung bis hin zum rockzipfel. du fällst in dein nicken, dein herz verpumpt sich. ein einsamer schluckauf – ohne rascheln, ohne finale rettungsskizze. kein klirren als das nichts aufschlägt. kein leerer hut, der zu boden fällt. nur eine unsichtbare lippenbewegung und ein kleiner riss im licht. ein leichtes husten, dann hat die luft dich verschluckt.

beat ohne melonen

goldener nebel vertanzt die träume,
das wasser zaudert & der rhythmus

bricht:

doch anstatt auszuholen, den tag zu
formen & das vakuum zu vermeiden,

streicheln wir die luft dicht, nehmen
die eiswürfel & kratzen den leichtsinn.

wir ziehen vorbei: am flow. ohne dem
saft der melonen – nur taub & dösig,

aber dafür mit freiem blut.

wir blinzeln kurz, als wir das vakuum verlassen

ein aufgebrauchter takt, ein schneller blick auf die wunde und dann eine stille, die sich zwischen unerreichten orten spannt. ihr gesicht ist ein leerer fleck. dunkel und müde. nur kann er das nicht sehen. weil er noch auf den einschlag wartet. mit gesenkten lidern und dem kopf zwischen zu engen wänden.

er hat sich an der trägheit des abends irgendwie die lippen aufgeschlagen. und jetzt knallt auch noch das pudrige licht seiner fragen in den raum. mit einer kraft, die ihr die müdigkeit aus den augen reißt.

weißt du denn: wie geduld schmeckt? welche farbe sehnsucht hat? wie lange zu lang ist? und ob man damit einmal um die erde kommt oder nur bis zur nächsten straßenecke? wie laut schlaflosigkeit ist? nach was vorfreude riecht? und mit welchem schwarz die nächte gestrichen sind? ob man gedanken berühren kann? und wie oft man das wort struktur buchstabieren muss, bis man es spürt? welches gewicht ein tiefes seufzen hat? wann sich fragen abnutzen? und woran?

verschiebung

hier tranken wir filme
& zerdachten ganze romane
mit rotweinflecken

nun verwehen die gardinen am fenster
allmählich die kirschbaumblüten

schwarze schafe, der straßenstaub und all die anderen dinge

frag nicht

warum die dinge aus der welt fallen,
wenn wir die augen nach jemandem
ausstrecken

&

warum die bettdecke in wellen erstarrt,
wenn wir ruckartig feuchte nebelbänke
ausatmen

&

warum wir uns nicht an zungen verschlucken,
wenn wir küsse buchstabieren und lippen
zerstören

hundert wörter, acht …

habseligkeiten

zwischenstufen

& irgendwo auch tapetenflüstern:

während du fällst & das ausschneiden
von satzfetzen verzweifelst

mit dem gewicht eines zarten
fuck you auf dem pelzigen

zungenschlagen, das

so weich & ohne anhäufung
von jener wohnlosigkeit

unter den dächern kapituliert
& bei jedem kopfschütteln:

den wahnsinn staubwirbelt;
blind & mit einem ausdruck

von nichts wie weg auf den
frostgeschwächten lidern

rückkehr

weil in engsten verhältnissen
raumgreifendes aufeinandertreffen
zeichen verweht
& weil in köpfen gedanken wie
scherenschnitte zu laub verfallen
während novembertage graugezogen
an ihr vorüberrauschen:

will sie geweckt werden;
will sie lavendeln & den kreis verlassen
& das helldunkel – das ihren blick entzweit –
verstecken, will goldfaul versinken,
die schritte zerteilen, will den zerfransten
fluglärm einsammeln, ihn sedieren
& die koffer – haushoch –
über etwas leeren,
das sich heimat schimpfen lässt.

aussicht

das wetter in den ausgefransten augenrändern:
liegen wir & ich träume
von fingerbetäubender großstadtferne;
kann dich kaum anfassen,
weil das kribbeln in den spitzen
mich dreht & jedes falsche lächeln
ein loch in die ufer brennt,
die an den fensterbänken entlangeilen

bald nur:

ich besaufe mich kopfüber an dir
& du tastest meine gedanken weg;
dein mund schultert die erschütterungen,
bis endlich – folgenleicht – auf deinem handrücken
dann doch wieder platz für schlaf ist

die rotation

das ist der sommer sagt sie, und ihre stimme
ist ein einziges schallschlucken. ich scharre
mit meinen worten ein loch in das zimmer:
er lauert mit händen voller wasser, hör nur,
das plätschern seiner finger auf den straßen-
teichen, es tippelt wie das stete wechseln der
jahresleichen. sie schwenkt ihre ohren in das
rauschen. wie immer fliegen ihre wimpern in
die gleiche richtung. bis wir ihnen an den rand
des zitterns folgen. dahin, wo wir uns auffangen.

so einsortiert im grün gehen uns die gedanken
allmählich aus. keine gehirne zerpflücken! liegen
und die tropfen aus der luft klauben flüstert sie.

ein lichtschwarm hängt über uns. und dennoch
– weil das gras mit feuchten perlen nach uns
schlägt – glänzt ein frösteln auf ihrer haut.